Waves of wanderlust | Reisepläne 2017

Es ist vielleicht verrückt, das jetzt zu sagen, um nicht zu sagen absolut undankbar. Dass ich gerade eine absolut schöne Zeit erlebe (Fasnet!!), nichts absolut schief läuft und ich jeden Tag mit Vorfreude auf ein Ereignis aufwachen kann, und trotzdem einen riesengroßen Wunsch habe, der mit hierbleiben und den Moment genießen nichts zu tun hat. Die Sache ist ziemlich klar: ich habe Fernweh!!

Ich habe die nervige Angewohnheit, immer alles totzudenken und Vergleiche aufzustellen, die niemals irgendjemandem weiterhelfen würden. Vor allem was die einzelnen Jahre angeht, ständig schleicht sich in mein Hirn der Satz Bisher ist 2017 aber noch längst nicht so gut wie es 2016 im Februar war! Was nebenbei erwähnt überhaupt nicht stimmt, weil zum Beispiel meine Zukunftspläne viel mehr an Fahrt aufgenommen haben und sich in meinem Freundeskreis fast alles zum besseren hin verschoben hat. Nur ein Punkt ist anders, und das sind die Reisen. Heute vor einem Jahr waren es noch 23 lächerliche Tage bis ich zum wohl größten Abenteuer meines Lebens aufgebrochen bin. Osterferien in China- dieser Traum ist für mich wahr geworden und auch jetzt, 342 Tage später, kann ich noch nicht wirklich begreifen, was ich da eigentlich gemacht habe. Reisen, das wird mir immer mehr klar, ist so eng mit dem Leben an sich verbunden wie kaum etwas anderes.

Ich finde es wichtig, in meinem „Travel“-Resort nicht nur meine Vorfreude und die Begeisterung über die Dinge zu schildern, die ich im Ausland erlebe. Ein großer Bestandteil einer Reise ist nämlich auch die Melancholie und die Sehnsucht, die einen danach abholt wie ein alter Freund, so nach dem Motto: „Schön, wenn es dir gefallen hat, jetzt darfst du erst mal ein paar Wochen mit mir verbringen!“ ….oder Monate, oder Jahre. Da wird dieses nagende Gefühl sein, dass du die Zeit der Reise vielleicht gar nicht gut genug genossen hast, dass du heute so viel anders machen würdest, oder manchmal auch nur den Scheitel auf deinem Urlaubsfoto.

Das wäre zum Beispiel hier der Fall 😛

Egal wie weit du gehst und wie lange du weg bist, so ganz wird dich deine Reise wohl nie verlassen, denn da werden immer Tage sein an denen du dich in den Bildern an deinen Zimmerwänden verlierst, in denen ein bestimmtes Lied oder ein bekannter Geruch dich mit Karacho zurück katapulieren in diese längst vergangene Zeit. Letzte Woche war ich mit Freunden in Stuttgart aka dem ultimativen Feinstaubkessel unterwegs. Der städtische Chinese würde herzhaft lachen über unsere Feinstaub-Grenzwerte, aber für mich hat diese Dosis an Stadtluft gereicht, um schlagartig zurückerinnert zu werden an die Tage in Shanghai. Und während jeder Stuttgarter resigniert versucht hat möglichst wenig zu atmen, habe ich inhaliert als würde es sich um die Luft eines bayrischen Kurorts handeln. Einfach um die Erinnerung nicht so schnell verschwinden zu lassen.

Das ist jetzt fast ein Jahr her. Aber ich kann unmöglich abschließen mit etwas, das mich so verändert hat, und genau gleich verhält es sich mit Berlin, mit Polen und mit Frankreich. Ich muss jetzt nicht anfangen, von meinen Reisen letztes Jahr zu erzählen, das habe ich definitiv schon oft genug gemacht und ich bin trotz allem kein Mensch, der pausenlos in der Vergangenheit hängt. Will ich auch gar nicht sein, denn die Zukunft ist tausendmal interessanter!

Nur wäre es mir wirklich sehr recht, wenn diese Zukunft mal ein bisschen schneller kommen würde!! Alles, was gerade nicht geht, geistert mir durch meinen Kopf: den Koffer packen mit allem nur nicht mit dem, was in der Packliste steht. Meine viel zu volle Speicherkarte leeren, damit ich endlich die Kameraeinstellungen ausprobieren kann, die ich in den letzten Monaten mit meiner geliebten Kamera studiert habe. Meine Familie umarmen, nicht heulen aber beinahe, meinen WhatsApp-Status durch eine Flagge austauschen oder durch Nicht verfügbar (ignorieren wir an dieser Stelle das neue, äußerst fragwürdige Update doch einfach mal) und dann losfliegen, fahren oder rennen, ganz egal wohin, Hauptsache weg. Der erste Morgen weit weg von Zuhause, das fremde, altbekannte Unwohlsein, Neugier, Spannung, Erschöpfung, alles auf einmal. Jeden Morgen die Frage, ob heute wohl ein Bild für Instagram & Co entstehen könnte, denn danach wird schließlich die Kleiderfrage entschieden. Und meistens ändern sich die Pläne dann sowieso noch tausend Mal und ich finde mich mit meinem schönsten, leider nur einmal tragbaren Oberteil in einem polnischen Einkaufszentrum wieder, wo mich den ganzen Tag absolut keiner fotografiert 😀

Armselig dass ich sogar meinen nächsten Jetlag herbei sehne, schlaflos in Shanghai, damals so beschissen, heute denke ich mir: Und wieso hast du dich nicht ans Fenster gesetzt und die Chinesen gezählt, die nachts um zwei mit ihren Hunden Gassi gehen? Naja, vermutlich weil unter unserem Fenster ein Park war, der zu dem Häuserblock gehörte, in dem das Halten von Hunden verboten ist. Aber egal 😀 Fakt ist, eine Reise ist mit dem Ankommen zuhause noch lange nicht vorbei, und auch das fehlt mir sehr, die ersten Minuten in meinem Zimmer, in denen mir klar wird dass ich längst nicht mehr die Selbe bin. Ein paar Tage können ja so viel durcheinander bringen.

In Zeiten in denen man nach zwei Minuten im Freien den Kältetod fürchten muss und praktisch von einer Grippe in die nächste marschiert, ist die Sehnsucht nach Strand, Sonne und anonymer Ferne umso größer. Hinzu kommt das zumindest bei mir nahezu exzessive Zeitvertreiben in Instagram. Dabei stößt man natürlich auch unweigerlich auf Personen, die ihre Reisen nicht von Geld, Arbeit und Schulferien abhängig machen müssen.

Bei mir lösen solche Bilder immer noch mehr Sehnsucht und Vorfreude, aber leider auch oft Unzufriedenheit und ein drückendes Gefühl aus. Der Drang, endlich selber wieder wegzufliegen, der Druck, so viel von der Welt zu sehen wie irgendwie möglich, und teilweise auch der Neid auf diese Leute, die einfach mal schnell nach Amerika oder Neuseeland oder sonst wohin fliegen können. Dabei ist Instagram auch nur ein Bruchteil von dem, was bei einer Reise ansteht. Instagram zeigt die Ergebnisse, die Mühe dahinter bleibt dem Betrachter verborgen. Und diese Menschen mussten sicher auch hart dafür arbeiten.

Zwei Dinge stehen für mich fest:

und:

Ich rede mir also ein, dass, wenn ich erstmal mein Abi habe und arbeiten gehe und die für mich richtigen Prioritäten setze (das mit dem Sofa) genug Zeit und Geld da sein wird, um alle meine Reisepläne in die Realität umzusetzen.

Das hilft gegen das Fernweh, genauso wie die Reisepläne, die zum Glück schon viel realer und teils auch schon in trockenen Tüchern sind.

Die Osterferien werde ich dieses Jahr nicht in Asien, sondern gedanklich im isolierten Zelt einer Stammzelltransplantations-Station verbringen, denn meine Seminararbeit wartet immer noch geduldig darauf, geschrieben zu werden.

Aber in exakt 94 Tagen, 2 Stunden, 8 Minuten und 9 Sekunden hebt in Stuttgart der Flieger nach Catania ab, und dann verbringe ich die letzten Schultage sowie einen Teil der Pfingstferien mit Asterix, Obelix und dem Rest des Geokurses auf Sizilien und Lipari, was ich ÜBERHAUPT GAR NICHT MEHR erwarten kann!!

In den Sommerferien, und genauer in 172 Tagen, fahre ich zur Schreibzeit nach Graz/Leibniz, worauf ich mich schon sehr freue, weil ich absolut Österreich-verrückt bin und die Dialekte da wie verrückt vermisse! Ungefähr zur gleichen Zeit fahre ich auch nach Frankreich, genauer gesagt in die Normandie, wo ich meine geliebte Französin Marine wiedersehe <3 Zwei Wochen direkt am Strand und zwei Stunden weg von Paris, ich kann mein Glück noch gar nicht richtig fassen, und hoffe WIRKLICH, dass es klappt!

Wie in Chapter One bereits erwähnt, ist mir und drei Freundinnen die Eiseskälte neulich zu Kopf gestiegen, sodass wir kurzerhand einen All-inclusive Urlaub in Calella, Spanien gebucht haben. In 191 Tagen geht es los, und auch wenn uns jede Spanisch-Stunde klar wird, dass wir (die tollkühnen, nichts könnenden Spanisch-Vierstündig Wähler) dort vermutlich aufgeschmissen sein werden, ist die Vorfreude jetzt schon nicht zu stoppen. Vor allem, weil es mein erstes Mal Spanien ist 🙂

In Anbetracht dessen dass ich im Oktober dann auch endlich 18 werde, gibt es noch diverse Pläne für die Herbstferien. Sollte es mit unserer Spanisch-Karriere in Calella wirklich überhaupt nichts werden, schwenken wir endgültig um zu Französisch und fahren zusammen nach Taizé. Meiner Meinung nach ein perfekter Plan.

Und dann ist tatsächlich auch schon fast 2018, und wenn das Monster namens ABITUR im Juni bezwungen ist, machen sich meine Cousine, mein bester Freund, Feli und ich erstmal auf den Weg nach Rom, mit einem (von mir angeordneten) Zwischenstopp in Wien. Klar, das klingt alles noch sehr ungenau und unrealistisch, und ich schätze es sind auch noch nicht alle Teilnehmer von diesem Plan überzeugt, aber das kriegen wir schon noch hin- schließlich sind wir da reif und erwachsen. Oder auch nicht 🙂

Abschließend kann ich nur sagen, es gibt schlimmere Krankheiten als Fernweh und bitterere Medikamente als das Planen von Reisen, und alles in allem könnte ich glücklicher nicht sein.

Ich wünsche euch allen eine glückselige Rest-Fasnet und dass ihr sie alle überlebt 😀 (Grüße gehen raus an die Säufer unter uns, weil #heitsaufmerrichtig!)