Too many last times | Unser letztes, bestes Jahr

Fun fact: Ich kann am Besten unter Druck arbeiten. Und die wichtigsten Dinge fallen mir konsequent dann ein, wenn ich längst schlafen sollte.

Es ist ein Sonntagabend wie jeder andere auch. Aber nach dem ich drei Mal „Wishing you well“ von Stanfour angehört habe, und gerade den Bericht der diesjährigen SMV-Tagung fertiggestellt habe, hat es mich das Chaos wieder überrannt.

Die Tatsache, dass ich keine Ahnung habe wo ich heute in einem Jahr bin. Dass ich immer noch nicht weiß, was ich studieren will. Dass plötzlich alle davon reden, in welche Ecken Deutschland sie in 2018 ziehen werden, und dieses 2018 ist einen Monat weit weg von uns.

Mitten in solchen Gesprächen sitze ich und versuche, das letzte Schuljahr zu genießen. Mit allen „last times“, die es beinhaltet. Eines dieser last times war definitiv der Auslöser dieses Textes: die letzte SMV-Tagung.

Mit 15 Jahren bin ich mit einer Freundin zusammen zum ersten Mal auf die Idee gekommen, der SMV beizutreten. Diese Vereinigung, kurz für Schülermitverantwortung, ist in unserer Schule sehr stark vertreten und präsent, was sicher an dem großen Engagement zahlreicher Schule über Jahre hinweg liegt. Bevor ich selbst erlebt habe, wie viel Arbeit manche Dinge erfordern, war für mich alles ganz selbstverständlich: der Essensautomat der mich vor dem Hungertod bewahrt, die Nikolausaktion die jeden Dezember für Spannung und Erheiterung sorge und das Unterstufenturnier – auch wenn ich und mein sportliches Nicht-Talent uns dort bis auf die Knochen blamiert haben. Dass das alles nicht halb so easy ist, hat mir meine erste SMV-Tagung 2014 eindrücklich gezeigt. Drei Tage befassten sich damals noch rund 25 Schüler mit allen möglichen Aktionen, die den Alltag in der Schule schöner machen sollten. Vor allem waren diese drei Tage aber eins: so, so spaßig. Für meine Freundin und mich war damit klar: so schnell verlassen wir diese Gruppe nicht mehr, wo ein einfaches Werwolf-Spiel zur reinsten Comedyshow wird und alles Unmögliche mit einer gehörigen Portion Optimismus angepackt wird.

Und so war es dann auch: ab 2014 waren wir jedes Jahr für drei Tage in der Jugendherbere und haben getan was wir konnten, damit die SMV weiter so gut funktioniert. Dabei wurde die Gruppe immer größer. Nahezu verrückt: auf der SMV-Tagung 2014 schien es der 25-köpfigen Gruppe unmöglich, ausreichend Helfer für die Aktionen zu gewinnen, drei Jahre später saßen wir zu 50 da und überlegten, wie es in Zukunft verhindert werden könnte, dass man Leute in der Anmeldung aussortieren muss, wie es dieses Jahr der Fall war. Das zeigt, wie erfolgreich vor allem die Öffentlichkeitsarbeit der SMV in den letzten Jahren war.

Mit den Jahren sind immer mehr Freunde von uns mitgegangen. Dieses Jahr waren wir eine siebenköpfige Gruppe aus unserer Stufe. Die Zwölftklässler vom letzten Jahr haben wir natürlich schmerzlich vermisst! Hoffentlich konnten wir den Posten als Älteste würdig vertreten. Wir hatten jedenfalls den Spaß unseres Lebens dabei, alles noch ein Mal zu erleben. Die immer gleichen Kennenlern-Spiele, stundenlanges Werwolfspielen und Klavierkonzerte, die mal mehr und mal weniger schön anzuhören sind. Für Außenstehende klingt das nicht gerade wie drei Tage Urlaub im Himmel, aber was man jahrelang macht und plötzlich zum letzten Mal hat, lernt man sehr stark zu schätzen.

Es war sehr komisch, über Dinge wie das Schulfest oder den Eisverkauf zu reden – Wir sind zu diesem Zeitpunkt nicht mehr da. Nicht mehr Schüler dieser Schule. Aber wenn ich mich in der SMV einmal umsehe, habe ich keine Zweifel daran, dass das alles weiterlaufen wird. Dass die Jüngeren unsere Pläne verantwortungsvoll weitergetragen haben, so wie wir das einst getan haben.

Was auch nach unserer abgelaufenen Schulzeit noch da ist – das sind wir. Wir haben in diesen drei Tagen viel erlebt, das uns noch enger zusammengeschweißt hat. Ich denke da besonders an ein einprägsames Erlebnis im nächtlichen Wald. Eigentlich sollten wir die Kleinen bei ihrer Nachtwanderung erschrecken – wer in dieser Nacht am meisten Angst hatte muss ja nicht unbedingt erwähnt werden…

Das alles sind Momente, von denen ich das Gefühl habe ich muss sie irgendwie festhalten. Wieso ich das hier tue? Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, ob das gut ist. Es ist doch immer das Selbe: Ich will nicht, dass dieses Jahr zu Ende geht, ich muss es genießen, es passiert so viel Gutes. Es passiert oft genug nichts Gutes. Es ist zur Zeit sogar ziemlich schwer, die Fassung zu bewahren, weil viele Dinge geschehen bei denen ich mir denke: Entschuldigung, wozu genau das hier? Genau deswegen sind unbeschwerte Tage wie diese wichtig, weil sie uns von Zeit zu Zeit daran erinnern, dass die Welt sich weiterdreht.

Auch wenn es uns anders vorkommt.