Meine Lieblingsgeschichte 2.0 | Reunited

Eine Reise quer durch Deutschland, spontane Fahrplanänderungen und eine ausfallende Zug-Klimaanlage bei 30 Grad – das alles hat meine beiden Freundinnen Theresa und Marina nicht davon abgehalten, von Nordrhein-Westfalen nach Baden-Württemberg zu fahren. Dort habe ich schon sehnsüchtig auf ihr Ankommen gewartet.

Seit einem beziehungsweise zwei Jahren kenne ich Marina und Theresa jetzt. Wir sind 18, 20 und 17 und vielleicht wären wir nie Freundinnen geworden, wenn nicht einige Zufälle auf einmal passiert wären. Zusammen ergeben diese Zufälle meine Lieblingsgeschichte , und das ist die Fortsetzung, denn in den letzten vier Tagen haben wir die schwäbische Alb zusammen unsicher gemacht.

Wenn man von Nordrhein-Westfalen bis in unser kleines schwäbisches Dorf will, muss man sich leider auf eine lange Fahrt einstellen. So kamen Marina und Theresa am Dienstag erst abends bei mir an. Weil sie praktisch keinen Zug bekommen hatten, den sie ursprünglich angepeilt hatten, war ihr Bedarf an Action für diesen Abend dann auch schon gedeckt. Es reichte uns auch vollkommen, zusammen Pizza zu essen und dann in meinem Zimmer zu reden. Fast ein Jahr haben wir uns nicht gesehen, und wenn man die Entfernung und die zahlreichen Urlaubspläne von uns allen bedenkt, ist es schon bemerkenswert, dass wir es überhaupt geschafft haben, einen Termin zu finden. Wir hatten also eine Menge zu bereden, aber zwischendurch war es auch immer ruhig, weil jeder seiner Beschäftigung – schreiben, lesen, Handy, duschen – nachgegangen ist. Das ist, wie Marina und ich festgestellt haben, die angenehmste Form des Zusammenseins, denn jeder tut, was er will, und trotzdem machen es alle gemeinsam.

Da wo ich wohne, ist von Sehenswürdigkeiten, Läden und Gastronomie leider relativ wenig zu finden. Deswegen haben wir am Mittwoch einen Ausflug nach Tübingen gemacht, für mich eine Stadt, die man mindestens einmal im Jahr mit der Schule besucht, für Autorenlesungen, spanische Kinofilme oder Theatervorstellungen, und mit der Familie dann noch ein bis zwei Mal. Sollte eigentlich heißen, dass ich mich da mittlerweile auskenne, aber letztendlich hatte Marina wahrscheinlich den besseren Durchblick, egal ob bei der Suche nach Essbarem insbesondere Eis oder bei Abkürzungen weil in circa zehn Minuten der Zug zurück nach Hause fährt.

Wir waren Shoppen (was auch sonst) und Fotos machen. Das haben wir schon letztes Jahr ausgiebig gemacht, und diese Tradition mussten wir weiterführen. Wir sind alle ein Jahr älter geworden, und ich finde das sieht man auch auf den Bildern, aber nur in positiver Art und Weise!

Fakt ist: ein Stadttrip in Verbindung mit Hitze, langen Zugfahrten und ANSTRENGENDEN Fotoshootings macht verdammt müde. So fiel es uns zunächst schwer, abends nochmal wegzugehen, aber es hat sich gelohnt, denn wir hatten eine Menge Spaß in Burla City. Die Weisheit des Abends, und das schreibe ich jetzt nicht ganz aus freiem Stück, lautet: Leb die 18, und wir finden das solltest du auch wirklich tun Celina. Herzlichen Glückwunsch! <3

Lange Nächte haben ihren Preis, deswegen mussten wir am Donnerstag erst einmal ausschlafen und ein bisschen in den Tag hineinleben. Dass das auch klappen kann, hat sich glücklicherweise bestätigt. Völlig entspannt und spontan sind wir nach Überlingen an den Bodensee gefahren, wo uns die Hitze bereits empfangen hat. Rezept für einen ultimativen Sonnentag am Bodensee: Spaziergang durch die Überlinger Innenstadt, Zwischenstopp an meiner all-time-favourite Eisdiele „Ital Eis Paradies“ und dann an der Seepromenade entlang bis zum Strandbad Westbei der Bodenseetherme. Der Eintritt kostet für Schüler nur 1 Euro und es gibt dort eine weitläufige Liegewiese, Dusche, Umkleiden und Toiletten, direkten Seezugang, ein Beachvolleyball-Feld, Sprungbretter und ein Restaurant. Sehr zu empfehlen!

Eine weitere unverzichtbare Tradition ist der Verzehr von schwäbischen Spätzle mit Ketchup. Das schmeckt besser als es klingt und man kann getrost auf das langes Kochen von Soßen verzichten. Nachdem auch das abgehakt war, befassten wir uns ausgiebig mit unseren Haaren, beziehungsweise mit dem Problem viel zu kurz geratene Haare irgendwie in Form zu bringen. Marina hat das definitiv drauf!

Insgesamt ist die Zeit viel zu schnell vergangen. Heute ist schon Freitag und um 13:51 fuhr der Zug für Marina und Theresa bereits wieder ab. Wir waren nicht besonders traurig, vielleicht vor allem weil wir  uns so sicher sind, dass wir uns wiedersehen werden. Das hat jetzt schon zwei mal geklappt, und es wird auch ein drittes Mal funktionieren, nächstes Jahr, wenn auch ich endlich alleine Auto fahren darf. Da wird dann Paderborn dran glauben dürfen, oder wo auch immer wir uns da gerade aufhalten.

Zurück bleibt die Erinnerung an vier tolle Tage mit viel Spaß und Gesprächen, die so nur wir verstehen, und eine Menge Bilder von uns aus dem letzten Jahr, ein Geschenk von Marina und Theresa. Vielen vielen Dank dafür!

Es ist nicht leicht zu erklären, was Freundschaften wie diese ausmachen. Es ist nicht gewöhnlich und natürlich ist es supernervig, sich nur so selten zu sehen und jedes Mal so lange, teure Reisen auf sich nehmen zu müssen. Wir erleben nur einen Bruchteil des Jahres zusammen, kennen den Großteil der Freunde der anderen nicht, was Erzählungen kompliziert machen kann und wir wissen, dass jedes Wiedersehen nur auf Zeit ist.

Aber vermutlich ist es genau das, was solche Freundschaften ausmacht, dass man weiß, dass die gemeinsame Zeit knapp  bemessen ist. Deswegen genießt man sie mehr. Deswegen öffnet man sich für kurze Zeit komplett, obwohl es sich am Anfang vielleicht komisch anfühlt, aber man vertraut in diese Freundschaft, mehr als in andere, die vielleicht sogar ganzjährig bestehen.

Ich sage nicht: Ich hoffe, dass wir uns wiedersehen, denn ich weiß dass wir uns wiedersehen. Und zwar so schnell wie möglich.