Die Formel der Schönheit

  1. Vielleicht gilt es, einen Unterschied zwischen hübsch sein und schön sein zu erkennen im Leben

Vielleicht ist es hier – trotz meiner eindeutigen Präferenz der deutschen Sprache und Literatur vor den Naturwissenschaften und dem Schulfach Mathematik – möglich, eine Formel aufzustellen. Eine Herausforderung. Ein komplexes Thema wie Schönheit in wenigen Variablen und Ziffern festzuhalten, während es Philosophen, Soziologen, Künstler, Schriftsteller, Designer und Liebenden annähernd gelingt, sie gänzlich in Worte zu fassen. Das Ergebnis dieser Gleichung würde ich aus diesem Grund als subjektive Schönheit bezeichnen. Eine objektive Schönheit kann es meiner Meinung nach nicht geben. Um die subjektive Schönheit zu erfahren, braucht es zum einen eine gewisse Attraktivität des Gegenübers. Diese Attraktivität wiederum setzt sich zusammen aus der äußerlichen Schönheit und der inneren Schönheit. Jene äußerliche Schönheit versehe ich mit dem Faktor X. Je nach den Vorlieben des Betrachters und nach Besonderheit des Gegenübers kann die äußere Schönheit andere Werte annehmen. Die innere Schönheit dagegen ist definiert durch die Differenz der Stärke von der Schwäche. Das, was übrig bleibt, wenn man die Selbstzweifel, die völlig natürliche und menschliche Traurigkeit, die Unzufriedenheit, zu der wir ebenso neigen, Neid, Hass und die ewige Suche nach sich selbst von einem Gegenüber subtrahiert, ist die innere Schönheit: Stärke, Begeisterungsfähigkeit, Empathie, Mut, Hilfsbereitschaft, das völlige Übereinkommen mit sich selbst – und anderen.

Im Verhältnis setzt sich die Attraktivität aus 2 Mal innere Schönheit und ein Mal äußere Schönheit zusammen. Wieso? Weil du ein äußerlich schönes Geschöpf zwar ansehen kannst, bis die Sonne untergeht, aber ihr könnt nicht zusammen im Regen tanzen. Dir wird schnell die Wärme fehlen, die nur innerliche Schönheit ausstrahlen kann. Dennoch – das menschliche Auge kann zwischen 105 Farbtönen des Spektrums des sichtbaren Lichts unterscheiden und zu einer halben Million Farbempfindungen kombinieren. Es ist ein Geschenk, dass wir sehen dürfen, und es ist schön, Schönes anzusehen. Schöne Augen. Schöne Hände. Schönes Lächeln. Schön.

Dann braucht diese Formel noch einen Bestandteil, der ihr die Unverwechselbarkeit der Situation verleiht. Eine Variable, die für die Beziehung steht, die wir zu unserem Gegenüber pflegen. Diese Zahl muss im Betrag stehen, denn egal wie negativ wir zu jemandem stehen, unser Herz, unsere Augen oder unser Kopf sind auf irrsinnige, faszinierende Art und Weise noch immer in der Lage, ihn schön zu finden. Seiner Schönheit zu verfallen, obwohl man das eigentlich gar nicht sollte. Obwohl man es so viel besser weiß.

Manchmal denke ich, hübsch wir finden wir jemanden, wenn er uns zum Lächeln bringt.

Schön ist jemand, wenn es uns weh tut.

Ein Mathematiker hätte, hätte er diese Zeilen gelesen, längst den Kopf geschüttelt. Mathematiker neigen dazu, die Dinge knapp zu halten, und manchmal beruhigt mich das. Nicht jeder Mensch erlebt die Welt in endlos langen Gedanken und macht alles kompliziert.

Also stelle ich sie wohl einfach auf, die Formel der Schönheit:

Subjektive Schönheit = ( X + 2 × (S¹ – S²)) + | B | 

X = Faktor der Wahrnehmung

S¹ = Stärke

S² = Schwäche

B = Beziehung

Es war nicht schwer. Es erleichtert mich in einer bestimmten Weise. Und doch: ich bleibe lieber bei den Worten, denn auch sie können so viel Schönheit bringen, wenn man sie nur richtig aneinander reiht.