Auf der Suche nach Frieden in Rom | Mini-Wallfahrt 2018

Rom : das ist die Hauptstadt Italiens, die Hochburg der Hitze, das Zentrum des christlichen Glaubens – und das Ziel von unzähligen Ministranten. Vielleicht denkt man nicht unmittelbar daran, wenn man nach seiner Erstkommunion in den Kreis der Ministranten aufgenommen wird, aber spätestens wenn die Älteren aus der Gruppe im Sommer auf eine große Reise nach Rom aufbrechen bekommt man Wind von dem, was alle vier Jahre in der italienischen Hauptstadt passiert. Wo mehrere zehntausend Messdiener aus der ganzen Welt aufeinander treffen, um gemeinsam mit dem Papst ihren Glauben feiern, entsteht etwas ganz Besonderes, das man selbst erlebt haben muss, um es ansatzweise zu verstehen.

 

Meine erste Rom-Wallfahrt habe ich bereits in 2014 erlebt. Danach war für mich völlig klar, dass ich noch einmal da hin muss. In der ganzen Zeit danach habe ich mich nihct mehr so nahe bei Gott gefühlt wie in diesen sechs Tagen. Am 29.07.2018 war es dann wieder soweit. Für rund 80 000 junge Menschen auf der ganzen Welt begann eine aufregende Reise nach Italien. Viel wussten wir nicht, nur dass es heiß werden würde, sehr heiß, und dass wir eine Verabredung mit dem wichtigsten Mann der katholischen Kirche hatten. Dem Papst!

Vor diesem denkwürdigen Ereignis gab es allerdings noch das ein oder andere Hindernis zu überwinden. Unser Hotel, das Sheraton Rome, war zum Zeitpunkt unserer Ankunft am Montag Mittag noch nicht bereit für so viele verschwitze Ministranten. Ganz dem Wallfahrtmotto „Suche Frieden und jage ihm nach“ getreu machten wir uns also zunächst einmal auf die Suche nach Alternativen, was beim Anblick des imposanten Petersdoms, den zahlreichen kleinen Gassen und dem leckeren Eis nicht allzu schwer war. Einen Gesamtüberblick verschafften wir uns während der Fahrt mit einem Doppeldecker-Sightseeing-Busses, welche natürlich keinesfalls für ein kleines Mittagsschläfchen genutzt wurde. Nahezu jede der Sehenswürdigkeiten, die während der Fahrt an uns vorbei zog, lernten wir in den folgenden Tagen näher kennen. Das Pantheon, das Kolosseum, der Trevi-Brunnen, die Piazza Novana, die spanische Treppe, der Mund der Wahrheit, die Kirchen Santa Sabina und Santa Maria Maggiore – Stück für Stück erfuhren wir, was es heißt, in der ewigen Stadt zu Gast zu sein. Die Mauern und Treppen, auf denen wir saßen, waren Teil einer unendlich langen Geschichte, an der die Stadt immer noch festhält.

Gleichzeitig erschien mir alles sehr  alles jung und dynamisch , die Atmosphäre während der Wallfahrtswoche erinnerte an eine große Party aller Nationen und damit auch stark an den Weltjugendtag in Krakau 2016. Auf den Straßen, in den Kirchen, in den überfüllten Zügen der Metro – überall sangen Pilgergruppen ihre Lieder, schwenkten ihre Fahnen und tauschten sich untereinander aus. Das Pilgerpaket, das im Voraus an alle ausgeteilt wurde, beinhaltete ein Pilgertuch dessen Farbe je nach Diözese variiert, sowie ein Armband mit bunten, austauschbaren Pins. So fiel es einfach, auf andere zuzugehen, sie zum Tauschen zu bewegen.

Mit 8 000 anderen Ministranten aus der Diözese auf dem Boden der Basilika St. Paul vor den Mauern zu sitzen und aus voller Kehle „Suche Frieden und jage ihm nach!“, das Mottolied der diesjährigen Wallfahrt zu singen – für viele von uns war das eine einmalige Erfahrung. Als in den Tagen nach der Ministrantenwallfahrt im Internet ein Artikel auftauchte, der die Gottesdienste der Erzdiözese Freiburg scharf kritisierte, war ich zunächst völlig perplex. In der Basilika habe „Partystimmung“ geherrscht, die an Discos oder Festivals erinnert habe, besonders die Lichteffekte und die Auftritte der eigens für die beiden Gottesdienste angeheuerten Band. Laut dem betreffenden Artikel hätten die Ministranten in der Kirche selbst ein seltsames Gefühl gehabt. Ich war bei diesen Worten ehrlich gesagt etwas fassungslos. Egal wen aus unserer Gruppe ich gefragt hätte, es hätten alle das Selbe gesagt: so, wie die Gottesdienste in St. Paul waren, würden wir sie uns immer wünschen. Durch die Liedwahl, die Lichteffekte und die auf uns Jugendliche zugeschnittene Predigten war der Gottesdienst und der darin transportierte Glaube so viel lebendiger als zuhause, wir konnten uns mit den Worten der Priester identifizieren und unsere Gefühle in den modernen Liedern ausdrücken. Bei der Homepage, auf der der Artikel zu finden ist, handelt es sich um eine Website für katholische Neuigkeiten, die offensichtlich sehr veraltete, konservative Ansichten hat, was die Auslebung von Glauben betrifft. Ich finde es schade, dass es diese Institutionen gibt, die die Auge vor dem Wandel verschließen und sich dann wundern, wieso junge Menschen zuhause nicht mehr an dem veralteten System „Kirche“ interessiert sind.

Partystimmung gab es ohnehin überall und die ganze Zeit, und so auch am großen Tag, auf den alle gewartet haben:  die Audienz mit Papst Franziskus auf dem Petersplatz. Die Hitze war an diesem Tag auf ihrem Höhepunkt, die Stimmung auch, und dann war er plötzlich da. Mit seinem Papamobil fuhr er durch die jubelnde Menge und hielt eine kurze Messe vor dem Petersdom. Unsere Gruppe hatte Glück: von unserem Platz aus konnten wir alles mitverfolgen. Was der Papst auf Italienisch sagte, wurde für uns ins Englische übersetzt. Er machte uns Mut,uns für unseren Glauben einzusetzen, und bewunderte uns dafür, dass wir schon so viele Stunde in der Hitze ausharrten.

Die Papstaudienz war sicherlich das große Highlight der Rom-Wallfahrt. Vielleicht waren es aber auch wirklich nur die kleinen Momente, die die Magie erzeugten, von der wir auch nach unserer Rückkehr noch lange zehren werden. Das kurze Gespräch mit einer fremden Pilgergruppe, bevor die Metro anhielt und uns wieder ausspuckte in das pulsierende Rom. Das Eis, das wir uns nach stundenlangem Warten vor der Kuppel des Petersdoms und dem schweißtreibenden Aufstieg verdient hatten. Und die Tatsache, dass aus 36 Wallfahrern aus unserer Seelsorgeeinheit am Ende der Woche tatsächlich eine Einheit geworden ist, eine Gemeinschaft, in der jeder der sein konnte, der er ist. Aus jeder Situation konnten wir mit unserem Humor und unseren verrückten Ideen das Beste machen. Wir dürfen Teil einer großen Ministrantengemeinschaft sein, und warum? Weil Jesus lebt. Halleluja!