Au-delà des mots | 24 Stunden in Paris

There are only two places in the world where we can live happy: at home and in Paris. 

– ERNEST HEMINGWAY


„Ihr seid doch verrückt“ „Und das soll sich lohnen?“ „Sind es überhaupt 24 Stunden die ihr dort seid?“

Alles fängt an mit einer Flixbus-Werbeanzeige und hört auf mit der Erinnerung an 24 Stunden in Paris, an Herbstblätter und den Geschmack von Crêpe. Beinahe hätte ich die Werbeanzeige weggeklickt wie alle anderen zuvor. Was dann passiert wäre – nichts. Ich hätte lediglich nicht erfahren, dass die Fernbuslinie Flixbus in Kooperation mit eBay Europatickets für 15 Euro verkauft. Ich hätte nicht während meiner Italien-Reise schon an die potentielle Nächste gedacht und nicht in die WhatsApp-Gruppe mit meinen Freundinnen geschrieben:

Hat jemand Lust ein Wochenende nach Paris zu fahren im Oktober? 

Wie es in der Post-Abitur Zeit gewöhnlich ist, hatten nicht alle Zeit für eine derart spontane Reise ins Ausland, aber meine liebste Cousine Chiara und meine Freundin Eva waren sofort begeistert.

Drei Wochen, ein paar Missverständnisse von Seiten der Flixbus Firma (die mir plötzlich ein FlixTRAIN Ticket für den 04. August zusandte, ok?) und drei Buchungsbestätigungen später war es soweit.

Für 15 Euro fuhren wir am Freitag, den 12. Oktober nach Paris. Weil der Bus erst um 21:50 ging, verbrachten wir den Abend noch entspannt im Fischerviertel in Ulm, wobei wir zu der Frage kamen: Ulm ist doch auch schön, müssen wir überhaupt nach Paris?

Die Antwort war: ja, müssen wir!

Auch wenn das bedeutet, neun Stunden zwischen betrunkenen Fußballfans zu sitzen und den „Duft“ des Klos nebenan einzuatmen. Die elfte Flixbusfahrt dieses Sommers, und ich schaffe es immer noch nicht, eine gehörige Entfernung zu dieser Einrichtung zu wahren.

Das Gemisch aus Rauch und Benzin des Bahnhofes Paris Bercy war frische Bergluft im Vergleich zum Bus, und so atmeten wir alle erst einmal auf. Es war kurz vor acht Uhr morgens, der erste und einzige Tag in Paris lag vor uns – und wir waren bereit. Und wie!

Dass man in 24 Stunden nicht unter die Oberfläche eines Ortes gelangt, erklärt sich von selbst. Wir wussten das, und wir wussten dass wir nur das von Paris sehen würden, was wir uns auch bewusst  vornahmen. Dazu haben wir uns im Vorraus eine Liste erstellt, und diese nach und nach, und mit nur ganz wenigen Metro – Verwirrungen und Orientierungsproblemen abgehakt.

1. PONT D’ALEXANDRE

 

Die Pont d’Alexandre ist übrigens im Hintergrund der Bilder, nicht die, auf der wir stehen 😉

2. LA TOUR EIFFEL

Natürlich. Natürlich mussten wir den Eiffelturm besichtigen. Schon in dem Moment letzten Sommer, in dem ich auf dem Weg nach Rouen ganz kurz die Spitze des Eiffelturms gesehen habe, wusste ich, dass ich vor ihm stehen muss

I can die happy now habe ich zu dem Bild vom Eiffelturm in meiner Instagram – Stories kommentiert. Ich hoffe zwar inständig, dass ich noch nicht allzu schnell sterbe, aber falls doch – ich hab den Eiffelturm gesehen! Und zwar aus allen denkbaren Perspektiven.

 

 

3. LE BORD DE LA SEINE

DISCLAIMER: Nicht nachmachen, außer ihr gebt gerne freiwillig zwei Euro mehr für euren Crêpe de Fromage aus, nur weil er im unmittelbaren Umkreis des Eiffelturms zubereitet wurde. Meine Erkenntnisse: a) man schmeckt keinen Unterschied und b) im Nachhinein ist man immer schlauer.

 

4. L’ARC DE TRIOMPHE ET LES CHAMPS-ÉLYSÉES

Der Triumphbogen war immer „das Gebäude aus dem Französischbuch in der Schule“. Irgendwann in Klasse 7 haben wir etwas über ihn gelernt, jetzt haben wir ihn mit eigenen Augen gesehen. Noch viel interessanter war der Verkehr darum herum und der Aufmarsch der Polizisten – wir haben leider nicht herausgefunden wieso.

Daneben, am Beginn der CHAMPS-ÉLYSÉES traten gerade zwei Straßenkünstler auf. Das mag ich so an Städten, die Lebendigkeit, diese Atmosphäre in der sich ein Typ auf die Straße stellen und zu Hip Hop tanzen kann, ohne dass er dafür belächelt oder ignoriert wird. Stattdessen hatte sich schnell eine ganze Traube von Menschen um das Duo gebildet. Wir waren irgendwo dazwischen, und ich versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen, es zu realisieren.  Ein Samstagmittag im Oktober und du stehst auf der Champs-Élysées in der Hauptstadt Frankreichs und siehst einem Hiphop Künstler beim Tanzen zu. 

Vielleicht bin ich bis heute damit beschäftigt.

5. LE LOUVRE

„Und, habt ihr die Mona Lisa gesehen?“ lautete selbstverständlich Frage Nummer 1, als ich meinen Eltern von unserem Besuch im Louvre erzählt habe. Gut, unserem Besuch am Louvre. Beim Anblick der Schlange, der Ungewissheit über den Preis und in Anbetracht unserer nunmehr achtstündigen Tour von Bercy nach St. Ouen und quer durchs Zentrum beschlossen wir, dass der Innenhof des Louvres bereits schön genug ist. Die Mona Lisa muss also noch ein wenig auf uns warten, und wir auf sie, aber irgendwann treffen wir sicherlich noch aufeinander. Bis dahin haben wir vielleicht auch herausgefunden was es mit der Brandenburger Tor Imitation am östlichen Ende des Innenhofes auf sich hat?

#Kulturkönnenwir

7. LE POLAR DANS LA MÉTRO

Mein Dorf hat 950 Einwohner. Das von Chiara 1000, Eva wohnt in einer Stadt ohne Stadtbus.

Die Benutzung einer Metro an sich stellt für Menschen wie uns eine enorme Herausforderungen dar, zumindest ohne Hilfestellungen wie Google Maps. Irgendwann hatten wir wirklich den Durchblick und dachten gerade wir wären routiniert, als es an der Station Franklin D. Roosevelt zu einem regelrechten Krimi kam, bei dem leider die Untertitel für ein volles Verständnis fehlten. Jedenfalls drückte eine Frau am Bahnsteig beim Anhalten der Metro eine ganze Gruppe an jüngeren Kindern in die Metro. Wir standen mit ein paar Männern im Eingangsbereich, bemerkten im Gegensatz zu ihnen aber nicht, was die Jungs vorhatten: zu stehlen. Das schnelle Hineindrücken und das unschuldige Aussehen war Strategie – vermutlich von der Frau. Ein Mann sah sofort, wie einer der Jungen in den Rucksack eines Touristen griff. Der Mann fackelte auch nicht lange, er packte mindestens drei Jungs auf einmal am Kragen und schob sie wieder auf den Bahnsteig. Dort ging aber gerade die automatische Glastüre zu, weshalb der letzte Junge eingequetscht wurde. Er schrie, und der Mann schrie lauter „Vous avez volé ! J’appelle la police ! Les autres, regardez si vous avez encore tout votre argent !“ Was der Fall war, Gott sei Dank. Und der Junge wurde auch nicht vollends zerquetscht, sondern die Glastüre am Steig öffnete sich noch einmal kurz, wie wir im Davon fahren sahen. Die Jungs und die Frau blieben wutentbrannt am Bahnsteig zurück, die halbe Metro applaudierte dem Mann und wir drei dachten alle das selbe: Gott sei Dank leben wir nicht in einer Stadt.

6. LE QUARTIER ST. OUEN ET SES RUES EN NUIT

Oui oui, das Nachtleben von St.Ouen, dem Viertel in dem unser ibis Hotel lag, ist wirklich außergewöhnlich. Faszinierend. Beeindruckend…ausgestorben. Bis auf einige Restaurants die entweder todesedel und entsprechend teuer oder besorgniserregend dubiose sind gibt’s da nicht viel. Sollte uns recht sein, weil wir von 9 Stunden Busfahrt und gefühlten 10 Kilometern Fußmarsch so geschlaucht waren, dass wir ohnehin bloß noch ins Bett wollten. Aber das Nightlife von St.Ouen kennen wir jetzt auch.

7. FLIXBUS, LE LIEU PLUS BEAU DU MONDE

Sagen wir es so: Die 12. Flixbusfahrt des Jahres war nicht unbedingt besser als die 11. Freundlicher Weise dauerte sie auch noch rund 40 Minuten länger als geplant, weil wir im Stau standen – circa 5 Kilometer vor Stuttgart. Aber auch diese Fahrt hatte ein Ende, und dann musste ich mich wohl oder übel damit anfreunden, dass meine letzte Reise in a row vorüber ist. Wenn ich genau darüber nachdenke war ich seit meiner Abfahrt nach Paderborn am 25. Juni nie länger als eine Woche am Stück Zuhause. Nur zwischen Italien und Frankreich waren es zwei, und die habe ich auch nur mit dem Ausblick auf den Paristrip mental irgendwie überlebt.

Es fällt mir schwer, mich von dieser Zeit zu verabschieden. Es ist Zeit für Alltag, das weiß ich, aber in irgendeiner Form war das Reisen auch Alltag.

Immer noch denke ich ab und zu: wie lange bin ich jetzt noch zuhause? Und dann wird mir wieder klar, dass es gerade gar kein Abreisedatum in naher Zeit mehr geben wird. Das geht gar nicht. Deswegen: Caro, Sherin, Marie, Marine, Ruben und Moritz: haltet euch bereit, ich stehe früher vor Euer Tür als euch lieb ist. Denn ich bin einfach dafür gemacht, meinen Ort zu wechseln. Und sei es nur für ein paar Tage.


FAZIT

Wenn ihr euch überlegt, einen Kurztrip zu unternehmen: tut es! Drei Tage unterwegs zu sein ist besser als null Tage unterwegs zu sein. Natürlich sollte der Preis für die Anfahrt nicht so hoch sein, sonst lohnt es sich wohlmöglich wirklich nicht. Aber läuft euch ein Angebot wie unseres über den Weg, schnappt es euch! Vertraut darauf, dass ihr zwar nicht lange, aber dafür intensiv reisen werdet. Weil ihr jeden Moment zu schätzen wissen werdet. Drei Tage können so viel verändern, was Mindset, Motivation und den allgemeinen Gemütszustand betrifft. To travel is to live!

MERCI BEAUCOUP

an Paris, die Stadt der Liebe und des Lebens. Meine Mutter war mit mir schwanger, als sie nach Paris gereist ist. Meine Liebe für diese Stadt war also sozusagen prädestiniert, et voilà. Ich werde ganz sicher noch einmal wiederkommen.

Das viel größere Merci gilt aber meinen Travel mates Chi und Eva. Erstens war es goldwert, mal wieder so viel Zeit zusammen zu verbringen, denn die ist Post-Abitur kostbarer denn je. Wir haben sämtliche Krisen überstanden (Chis Koffer auf Kopfsteinpflaster, Kanalisationsgeruch aus der Klimaanlage, schwere Schmerzen auf der Champs Élysée) , viele guten Taten vollbracht und noch mehr Fotos gemacht. Wir haben aus allen Situationen das beste gezaubert, oder eventuell waren wir auch einfach nur sehr, sehr müde. Denn wie jeder weiß :nach dumm kommt blöd. Eine weitere bahnbrechende Erkenntnis: wir müssen uns nicht dumm stellen, wir sind es. Ich find uns ziemlich cool.❤️